15.09.2017

Expertinnen für sich selbst

Netzwerk Pflegefamilien und Frauensportverein Münster führten Selbstbehauptungs- und -erfahrungsseminar für junge Mädchen durch

„Ich fand die Woche sehr lehrreich. Ich habe geübt, auch mal ‚Nein‘ zu sagen und bei einem Streit einfach wegzugehen." „Wenn man etwas nicht will, kann man das deutlich mit dem Körper zeigen, auch ohne immer laut zu schreien.“ „Das mit dem Frauenkörper war gar nicht peinlich, sondern ziemlich interessant.“ Die Reaktion der Mädchen, die jetzt beim Netzwerk Pflegefamilien im Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE e. V.) am SELMA-Kurs des münsterschen Frauensportvereins (FSV) teilgenommen haben, fielen eindeutig aus: Ihnen hat es gefallen. Sie haben eine Menge über sich gelernt und erfahren und wurden so zu „Expertinnen für sich selbst“, wie der Kurs im Untertitel heißt.

Hinter Selma – Selbstbehauptung und mehr für alle Mädchen – steht ein Konzept des Frauensportvereins Münster. „Der Kurs bietet den Mädchen die Möglichkeit, sich selbst, ihren Körper, ihre Kraft und ihre Grenzen in einem geschützten Rahmen kennen zu lernen“, erläutert Projektleiterin Elisabeth Klingseis vom FSV den Hintergrund. Zehn Mädchen aus Pflegefamilien nahmen in den Räumen des Netzwerks Pflegefamilien am Dahlweg in Münster teil und beschäftigten sich in Übungen, Rollenspielen und anderen Spielen mit Themen wie Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, körperlichen und persönlichen Veränderungen in der Pubertät oder Offenheit, Respekt und Toleranz gegenüber anderen. Zwei Trainerinnen führten durch den Kurs und konnten sich so auch in Krisen- oder Stresssituationen immer adäquat und intensiv um die Mädchen kümmern. 

Gerade für die Mädchen aus Pflegefamilien mit ihren oft belastenden oder traumatischen Vorgeschichten stellen Selbsterfahrung und -wahrnehmung und die Wertschätzung der eigenen Person eine ebenso große wie wichtige Herausforderung dar. „In dem Kurs können die Mädchen Gemeinsamkeiten entdecken, Berührungsängste überwinden und mehr Selbstvertrauen und Selbstsicherheit entwickeln“, ist sich Elisabeth Klingseis sicher.

„Wenn es das nächstes Jahr wieder gibt, möchte ich bitte wieder mitmachen“, brachte ein Mädchen die Stimmung der Teilnehmerinnen auf den Punkt. Dem steht ein wenig die wacklige Finanzierung des Projekts entgegen. „Wir hoffen aber, dass die ‚Aktion Mensch‘ das Projekt unterstützt. Damit wäre das Problem gelöst“, so Elisabeth Klingseis.

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