Darum sind wie Pflegeeltern geworden

Eine Pflegefamilie berichtet aus ihrem Leben

"Wir wollten einem jungen Menschen helfen." Familie Falk lebt seit 20 Jahren in Herford. Sie haben zwei eigene Kinder, inzwischen 17 und 15 Jahre alt. "Die Kinder wurden immer selbständiger und wir haben uns überlegt, ob wir noch ein weiteres Kind bei uns ein Zuhause geben", sagt Agnes Falk. So entstand die Idee, ein Pflegekind aufzunehmen.

Ein Anruf genügte und kurze Zeit später saß Petra Rolf (Familienberaterin beim Netzwerk Pflegefamilien) auf dem Sofa von Familie Falk. Viele Fragen wurden besprochen: Was brauche ich, um eine Pflegefamilie zu werden? Was ist der Unterschied zur Adoption? Was für ein Kind wird zu uns kommen?

Familie Falk wurde vom Netzwerk Pflegefamilien mehrere Monate auf die Aufgabe als Pflegeeltern vorbereitet und nun lebt seit 3 Jahren Anna (Name geändert) bei der Familie.

Sie fordert Liebe ein und gibt sie auch zurück

"Das Gefühl von Sicherheit ist der große Schlüssel", sagt Paul Falk. "Anna braucht Geborgenheit und Verlässlichkeit." Als Anna in die Pflegefamilie gekommen ist, war sie drei Jahre alt. "Als sie dann bei uns eingezogen ist, ist sie aufgeblüht. Der normale Stress der Familie hat sie nicht gestört. Man merkte, sie wollte irgendwo ankommen. So ist sie Teil der Familie geworden".

In diesen Jahren gab es viele Höhen, aber auch einige Täler. "Jedes Kind bringt seinen eigenen Rucksack von Erinnerungen, Verunsicherungen und erlebten Schicksalsschlägen mit", sagt Petra Rolf vom Netzwerk Pflegefamilien. "Deshalb begleiten wir unsere Pflegefamilien konsequent und sind jederzeit erreichbar." Mittlerweile geht Anna in die erste Klasse und ist stolz, nun ein Schulkind sein zu können. "Sie ist für Kleinigkeiten viel dankbarer, als leibliche Kinder es sind.", sagt Agnes Falk. "Sie fordert Liebe ein, drückt uns doll und will dann natürlich auch viel Liebe zurück bekommen."

Wie nehmen es die eigenen Kinder auf?

Wie werden es die eigenen Kinder aufnehmen, dass nun ein Pflegekind bei uns einzieht? Diese Frage haben sich auch Familie Falk zu Beginn gestellt. Der Sohn hatte erst überzeugt werden müssen, die Tochter freute sich auf eine Schwester. "Bei den Kindern gehen dann so Denkprozesse los wie: Bleibt uns genug Liebe und bleibt genug Geld, noch in Urlaub zu fahren?", sagt Paul Falks. Auch Anna musste lernen, dass in der Familie drei Kinder leben und sie ihre neuen Eltern nicht immer für sich haben kann. "Sie hat aber im Laufe der Zeit gespürt, dass sie bei uns sicher ist", sagt Agnes Falk. "Die Corona-Zeit, wo alle viel zuhause waren, hat da noch einmal geholfen."