Familie für den Moment

Familie Oslowski aus Recklinghausen, das sind Susanne, ihr Mann und ihr 21-jähriger Sohn. Zur Familie gehören im Moment aber auch der dreijährige Mino, der zehn Monate alte Andre und der drei Monate alte Tim. Denn Familie Oslowski nimmt Kinder, die kurzfristig aus ihren Herkunftsfamilien ausziehen müssen, bei sich auf.

Diagnostik in Familien -  so heißt das Angebot der Bereitschaftspflege des VSE NRW und das „in Familien“ nehmen die Oslowskis dabei wörtlich. „Die Kinder, die bei uns wohnen gehören dazu, sind ein Teil dieser Familie“, sagt Susanne Oslowski.

Die Kinder, die sie aufnimmt, kommen häufig aus Notsituationen und müssen ihre Herkunftsfamilien plötzlich verlassen. Wie lange sie in der Obhut von Familie Oslowski bleiben, ist meist nicht absehbar. Und trotzdem bedeutet ihr Aufenthalt Alltag: Krankengymnastik, Therapietermine, Arztbesuche aber eben auch Geburtstage, Familienfeste und Freizeit. „Die Betreuung der Kinder ist Fulltime-Job und privates Familienleben gleichzeitig.“

Seit acht Jahren gibt Familie Oslowski Kindern ein spontanes Zuhause. „Wir haben damals durch Bekannte von der Möglichkeit erfahren, Kinder für einen begrenzten Zeitraum aufzunehmen“, erzählt Susanne Oslwoski. Die Idee von Zuhause aus zu arbeiten, hatte die gelernte Krankenschwester, als sie durch ihren Schichtdienst im Krankenhaus immer weniger Zeit hatte, sich um ihren eigenen Sohn zu kümmern.

Seitdem haben 23 Kinder bei Familie Oslowski gelebt, haben Sicherheit und einen strukturierten Tagesablauf erfahren. „Jede Situation ist eine Herausforderung“, beschreibt Susanne Oslowski die Bereitschaftspflege. „Doch wir können den Kindern bei uns eine schöne Zeit bieten, ihnen Halt geben und ihnen Helfen, einen richtigen Weg zu finden – das macht Freude.“

Besonders wichtig bei dieser Aufgabe sind Geduld, Einfühlungsvermögen und Toleranz, denn die Kinder haben oft starke Vorbelastungen und sind traumatisiert. „Jedes Kind hat ein Päckchen zu tragen und das wird früher oder später ausgepackt.“ Eine pädagogische Ausbildung hatte Susanne Oslowski nicht, Seminare und Schulungen vom Jugendamt und dem VSE haben ihr aber geholfen, sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten. Auch der permanente Kontakt zum VSE und die Möglichkeit, sich bei Problemen jederzeit an den persönlichen Berater zu wenden, gibt Sicherheit.

Eine Bereitschaftspflegefamilie zu sein, das bedeutet auch, immer wieder Abschied zu nehmen. Manche Kinder, so Susanne Oslowski, lässt sie gern gehen. Wenn vor den Kindern ein Weg voller Möglichkeiten und eine glückliche Zukunft liegen, fällt der Abschied leichter. Die Kinder ziehen zu lassen, das bedeutet für Familie Oslowski aber nicht, sie aus den Augen zu verlieren. Zu fast allen Kindern halten sie Kontakt, tauschen sich mit neuen Pflegeltern oder den Herkunftsfamilien aus und organisieren Treffen.
Sie nehmen Teil am Lebensweg der Kinder, auf dem sie nicht nur eine Station, sondern oft der Startpunkt für eine neue Richtung waren.