Kindern Sicherheit geben

Traum(a)kind? - Fortbildung für Pflegeeltern zur Traumapädagogik mit großer Resonanz

Pflegekinder haben eine besondere Geschichte. Nicht selten sind sie traumatisiert. Weil sie vernachlässigt wurden, Gewalt erfahren oder immer wieder Trennungen erlebt haben. „Ein Trauma entsteht durch eine lebensbedrohliche Situation“, sagt Thomas Lutz, Mitarbeiter des Zentrums für Traumapädagogik in Hanau. Am vergangenen Wochenende begleitete er beim Netzwerk Pflegefamilien im VSE NRW e.V. in Bielefeld einen Workshop für Pflegeeltern in Ostwestfalen-Lippe unter dem Titel „Traum(a)kind?“ 

„Pflegeeltern werden auf ihre Aufgabe intensiv vorbereitet“, sagt Petra Rolf, Familienberaterin im Netzwerk Pflegefamilien, „und doch können auch sie im Alltag hilflos sein: Wenn Kinder verhaltensauffällig sind, wenn sie keine Regeln akzeptieren, wenn sie aggressiv sind oder sich zurückziehen.“ Mehr als 30 Pflegeeltern waren der Einladung des Netzwerks gefolgt und nutzten vor allem die Gelegenheit, sich im Gespräch mit dem Referenten über ihrer Erfahrungen auszutauschen. Denn die Traumapädagogik, eine noch junge Disziplin, bietet für die Arbeit von Pflegefamilien viele wertvolle Ansätze.

Wie bei dem Kind, das aus einer verwahrlosten Situation kam, wo es nicht genug zu essen bekam. Für die Pflegeeltern ist es schwierig, dem Kind bei maßlosem Essverhalten Grenzen zu setzen. Wie reagiert man, wenn es ausrastet und schreit, weil der fünfte Jogurt nicht mehr erlaubt ist? „Sicherheit ist das A und O“, sagt Pädagoge Thomas Lutz, „den Kindern Sicherheit geben und als Eltern gut für sich selbst sorgen.“ Hilfreich ist dabei auch traumapädagogisches Wissen: So können Kinder in Situationen, in denen sie „angetriggert“ sind, tatsächlich nicht klar denken und sind über Argumente nicht erreichbar.

In einer großen Offenheit schilderten die Eltern Fälle aus ihrem Alltag in den Pflegefamilien. „Gerade der Austausch untereinander ist ein großer Gewinn für die Familien, die hier erleben, dass sie nicht allein sind“, sagt Petra Rolf. Profitiert haben auch zukünftige Pflegefamilien, die an dem Workshop teilgenommen haben, und deren Fazit lautet: „Wir freuen uns auf die Aufgabe.“